Geberzylinder

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Version vom 23. August 2016, 12:04 Uhr von Ralf Ha (Diskussion | Beiträge) (Entfernen des Winkels/Öse)
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Nehmerzylinder mit Ausrücklager

Funktion

Der Geberzylinder und der Nehmerzylinder dienen der hydraulischen Betätigung der Kupplung. Über den Geberzylinder erfolgt die Einleitung des Drucks, der über eine Hydraulikleitung an den Nehmerzylinder übertragen wird. Der Nehmerzylinder betätigt dann über den Ausrückhebel bzw. das Ausrücklager die Kupplung.

Geber- und Nehmerzylinder sind nur bei T4 mit hydraulischer Kupplungsbetätigung verbaut.


Einbauort

Der Geberzylinder ist unabhängig vom Getriebetyp (02B oder 02G) am Kupplungspedal verbaut und wird direkt über das Pedal betätigt.

Geberzylinder

Er wird über den Nachlaufschlauch mit Bremsflüssigkeit direkt aus dem Bremsflüssikeitsbehälter versorgt. Die Verbindung mit dem Nehmerzylinder erfolgt über ein Druckrohr, das durch eine Öffnung in der Spritzwand über das Entlüfterventil vor dem Bremskraftverstärker zum Nehmerzylinder am Getriebe führt.

Nachlaufschlauch
Anschlüsse am Geberzylinders
Entlüfter


Der Nehmerzylinder ist bei den 02B-Getrieben außen am Getriebegehäuse verbaut. Bei den 02G-Getrieben befindet er sich innerhalb des Getriebegehäuses und bildet (baujahrabhängig) sogar eine Einheit mit dem Ausrücklager; von außen ist nur die Ventileinheit für den Anschluss des Druckrohrs zu sehen.

Einbauort des Nehmerzylinders (02B-Getriebe)
Ventileinheit (02G-Getriebe)

Die nachfolgenden Bilder zeigen die beiden Versionen der eingebauten Nehmerzylinder:

Einbauort des Nehmerzylinders (02G-Getriebe alt)
Einbauort des Nehmerzylinders (02G-Getriebe neu)


Ausbau

Geberzylinder

Hinweise:

  • Es kann Bremsflüssigkeit auslaufen. Daher nach der Arbeit unbedingt den Bremsflüssigkeitsstand prüfen.
  • Nach Arbeiten an der hydraulischen Kupplungsbetätigung ist das System zu entlüften.
  • Die Arbeiten werden beispielhaft für einen 1997er TDI beschrieben. Baujahrabhängige, leichte Unterschiede sind möglich.


Werkzeug:

  • Schraubenzieher zum Hebeln
  • Schlauchklemme
  • Schraubenschlüssel/Einsatz für Sechskant M8
  • Drehmomentschlüssel für o.a. Einsatz bis 20 Nm


Arbeitsschritte:

  1. Nachlaufschlauch vom Bremsflüssigkeitsbehälter zum Geberzylinder mit einer Schlauchklemme abklemmen.
    Nachlaufschlauch
  2. Nachlaufschlauch vom Geberzylinder abziehen; dabei Bremsflüssigkeit auffangen.
    Anschlüsse am Geberzylinder
  3. Druckrohr vom Geberzylinder abschrauben (Anschlussmutter Sechskant M?, 20 Nm).
  4. 2 Befestigungsschrauben (Sechskantbund M8, 20 Nm) des Zylinders am Lagerbock herausdrehen.
    Befestigungsschrauben
  5. Sicherungsscheibe für den Bolzen zur Befestigung des Zylinders am Kupplungspedal abziehen und Bolzen herausdrücken.
    Befestigungsbolzen ausbauen
  6. Geberzylinder entnehmen.


Wiederherstellung:

  • O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge. Dabei auf die korrekten Anzugsmomente achten.
  • Kupplungsbetätigung entlüften und Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren.


Nehmerzylinder

02B-Getriebe

Hinweise:

  • Es kann Bremsflüssigkeit auslaufen. Daher nach der Arbeit unbedingt den Bremsflüssigkeitsstand prüfen.
  • Nach Arbeiten an der hydraulischen Kupplungsbetätigung ist das System zu entlüften.


Werkzeug:

  • Schraubenzieher zum Hebeln
  • Schlauchklemme
  • Schraubenschlüssel/Einsatz für Sechskant M8
  • Drehmomentschlüssel für o.a. Einsatz bis 20 Nm


Arbeitsschritte:

  1. Nachlaufschlauch vom Bremsflüssigkeitsbehälter zum Geberzylinder mit einer Schlauchklemme abklemmen.
    Nachlaufschlauch
  2. Druckrohr vom Nehmerzylinder abschrauben (Anschlussmutter Sechskant M?, 20 Nm).
    Druckrohr abschrauben
  3. 2 Befestigungsschrauben (Sechskant M8 mit Scheibe, 25 Nm) des Nehmerzylinders herausdrehen.
    Nehmerzylinder abbauen
  4. Nehmerzylinder entnehmen.


Wiederherstellung:

  • O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge. Dabei auf die korrekten Anzugsmomente achten.
  • Kupplungsbetätigung entlüften und Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren.


02G-Getriebe

Hinweise:

  • Es kann Bremsflüssigkeit auslaufen. Daher nach der Arbeit unbedingt den Bremsflüssigkeitsstand prüfen.
  • Nach Arbeiten an der hydraulischen Kupplungsbetätigung ist das System zu entlüften.
  • Es ist nur noch der Nehmerzylinder mit Ausrücklager als Ersatzteil erhältlich (siehe Bild ganz oben). Die alte Ausführung ist zu ersetzen.
  • Rundschnurring (Dichtring 9,25x6,07x1,78) immer ersetzen (02F 141 143 A, ca. 2,50 Euro)


Werkzeug:

  • Schraubenschlüssel/Einsatz für Sechskant M7
  • Drehmomentschlüssel für o.a. Einsatz bis 12 Nm


Arbeitsschritte:

  1. Getriebe ausbauen.
  2. Beim alten Nehmerzylinder zunächst das Druckrohr (rot) abschrauben (20 Nm).
    Druckrohr abbauen
  3. 2 Befestigungsschrauben (Sechskant M7, 12 Nm) des Nehmerzylinders herausdrehen.
    Nehmerzylinder abbauen
    Nehmerzylinder abbauen (alte Version)
  4. Nehmerzylinder entnehmen.


Wiederherstellung:

  • O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge. Dabei auf die korrekten Anzugsmomente achten.
  • Kupplungsbetätigung entlüften und Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren.


Entlüften

Das Entlüften sollte grundsätzlich mit dem VAG-Entlüftungsgerät erfolgen. Es werden die Entlüftungsventile am Nehmerzylinder (02B-Getriebe) oder am Getriebegehäuse (02G-Getriebe) genutzt:

Entlüftungsventil 02B-Getriebe
Entlüftungsventil 02G-Getriebe


Betrieb und Probleme

Bezüglich der Hydraulik ist der Zylinder unproblematisch. Allerdings ist seine Halterung mechanisch hoch belastet, was zu einem Bruch des Halters führen kann. In der Folge verändert sich der zum Betätigen der Kupplung notwendige Pedalweg erheblich und im schlimmsten Fall reicht dieser nicht mehr aus, die Kupplung sauber zu trennen.
Den Bruch erkennt man nicht immer auf den ersten Blick. Erst, wenn das Kupplungspedal getreten wird, zeigt sich, dass etwas nicht in Ordnung ist:

  • der Zylinder wandert aus,
  • der Entlüfter im Motorraum rechts vor dem Bremskraftverstärker bewegt sich, die die nachfolgende Animation von Ralf_Ha eindrucksvoll dokumentiert:
Animation Entlüfter (zum Öffnen auf Bild klicken)

Mit Hilfe eines Spiegels hat Ralf_Ha die Risse sichtbar gemacht:

Risse im Halter

Temporäre Hilfe bis zum Tausch des Halters ist z.B. mit einem Holzkeil möglich, mit dem man den Zylinder fixiert:

Holzkeil


Optimierung

Die T4 kommen so langsam in die Jahre, zwischenzeitlich haben alle Fahrzeuge die 10 Jahre überschritten. Immer mehr T4-Lenker merken ein 'matschiges' Gefühl in der Kupplung, oder haben Probleme mit schlecht trennenden oder rutschenden Kupplungen. Gerade die Befestigung des Geberzylinders scheint auf Dauer mit den dort auftretenden Kräften überfordert zu sein, als Folge gibt es Materialermüdung oder gar Brüche der Befestigung. Spätestens wenn nach Leistungsoptimierungen verstärkte Kupplungen zum Einsatz kommen, stellt sich die Halterung des Geberzylinders als Schwachpunkt heraus. Ein Schweißen der Halterung im Fahrzeug ist bei den besser ausgestatteten Fahrzeugen wegen der verbauten Dämmung kaum möglich. Der Ausbau der Pedalerie ist aber recht aufwändig. Fraglich ist auch, ob schweißen das Problem dauerhaft lösen würde (Versprödung der Schweißstellen durch Hitzeeinwirkung).
Seit 2014 findet man im einschlägigen Auktionshaus von einem Anbieter aus GB ein Verstärkungsblech, das sich einfach am Halter des Kupplungsgeberzylinders befestigen lässt. Das Blech verbindet den Halter mit einer bereits vorhandenen Schraube an der Karosserie. Dadurch wird die Lagerung des Geberzylinders versteift, der Geberzylinder kann nicht mehr nach hinten ausweichen. Geliefert wird von dem Anbieter ein fertig gebogenes, gebohrtes und pulverbeschichtetes Blech und die notwendigen (längeren) Schrauben. Der Einbau ist durchaus in nur 15min zu bewerkstelligen (je nach Motorisierung), mit Versand kostet das Set ca. 16€. Ein exemplarischer Anbieter im Auktionshaus ist "www-boatyardbuses-com", Suchbegriff ist: "Clutch pedal repair bracket".

Aber bitte beachten: Bei frühen T4 ist evtl. eine Stütze des Armaturenbrett-Trägers im Weg, die nicht entfernt werden kann. Das betrifft Fahrzeuge, bevor es einen Airbag als Zusatzausstattung gab, das genaue Datum ist unsicher (evtl. vor '93, oder aber vor GP).

Inhalt des Sets


Einbau

Der Einbau gestaltet sich beim ACV recht einfach, vorausgesetzt es ist keine Öse im Weg, wie dies bei Fahrzeugen bis MJ 96 (unsicher) der Fall zu sein scheint. Der User Multiwolf hat eine Lösung dafür gefunden, siehe unten. Bei anderen Motorisierungen kann das notwendige Lösen einer Schraube im Motorraum zur Sisyphusarbeit werden.

Öse im Weg


Zuerst werden am Geberzylinder die Befestigungsschrauben entfernt, dann die Verstärkung mit den mitgelieferten längeren Schrauben handfest montiert:

Schrauben entfernt
Verstärkung handfest montiert

Dabei wird die bereits vorhandene Schraube am Befestigungspunkt zur Spritzwand als Führung verwendet.

Jetzt wird die Batterieabdeckung entfernt und die Abdeckung zwischen Batterie und Motor herausgezogen, sie ist nur gesteckt:

Verkleidung herausziehen


Als nächstes muss nur noch die Schraube gefunden, heraus geschraubt und durch die längere aus dem Set (zusammen mit der großen Unterlegscheibe) ersetzt werden. Dabei auf den Haltewinkel für die Leitung der Kupplungshydraulik achten, dieser kann runterfallen und in den Tiefen des Motorraums verschwinden:

Position der Schraube, Nuss und Verlängerung aufgesteckt (ACV)
Detailaufnahme der Schraube (ACV)


Im Fahrerfußraum kommt eine selbst sichernde Mutter auf die Verstärkung und die beiden Schrauben am Geberzylinder werden fest angezogen. Zum korrekten Ausrichten (der Stößel muss senkrecht und mittig in den Zylinder führen) kann z.B. ein Schraubenschlüssel unter den Zylinder gelegt werden, da dieser sich sonst beim Anziehen der Schrauben verdrehen wird.

Ausrichten des Geberzylinders



Nach Aussagen einiger Fahrer mit TDI Motoren (MKB AHY, AXG und AXL) ist die Montage der Schraube im Motorraum sehr fummelig, da bei diesen Fahrzeugen kaum Platz vorhanden ist. Daraus entstand der Vorschlag, in dem Fall die Schraube vom Fußraum aus ein zudrehen und die selbst sichernde Mutter vom Motorraum aus zu montieren.

Entfernen des Winkels/Öse

Dank dem User Multiwolf ist jetzt auch der Ausbau des evtl. vorhandenen Winkels dokumentiert. Dieser ist mit 3 Punktschweißungen befestigt. Er hat diese vorsichtig mit einem 8mm Bohrer aufgebohrt. Um den Winkel einfacher entfernen zu können, wurde ein Flacheisen an die vorhandene 8er Mutter geschraubt, dadurch konnte der Winkel hin- und hergebogen werden bis die Schweißpunkte getrennt waren. Danach kann wie oben beschrieben die Verstärkung eingebaut werden.

Störender Winkel entfernt, Schweißpunkte aufgebohrt
Der Winkel gehört zu dieser Stütze, ist sie vorhanden kann die Verstärkung nicht verbaut werden