Lenkgetriebe: Unterschied zwischen den Versionen

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* Hydrauliköl bis zur max-Markierung einfüllen; insgesamt ca. 1 bis 1,1 Liter. Motor anlassen, einige Minuten im Leerlauf laufen lassen und dabei Hydrauliköl nachfüllen. Dann mit mäßiger Drehgeschwindigkeit mehrfach bis fast zum Anschlag nach links und rechts lenken. Die Servolenkung entlüftet sich dabei. Ölstand nach der ersten längern Fahrt kontrollieren.
 
* Hydrauliköl bis zur max-Markierung einfüllen; insgesamt ca. 1 bis 1,1 Liter. Motor anlassen, einige Minuten im Leerlauf laufen lassen und dabei Hydrauliköl nachfüllen. Dann mit mäßiger Drehgeschwindigkeit mehrfach bis fast zum Anschlag nach links und rechts lenken. Die Servolenkung entlüftet sich dabei. Ölstand nach der ersten längern Fahrt kontrollieren.
 
* Spur prüfen.
 
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Aktuelle Version vom 20. Juli 2015, 20:53 Uhr

Servolenkgetriebe

Funktion[Bearbeiten]

Das Lenkgetriebe bzw. Servolenkgetriebe übersetzt die am Lenkrad eingeleitete Drehbewegung der Lenksäule und Lenkzwischenwellen in eine Links-/Rechtsbewegung der Spurstangen (Schwenkbewegung), über die letztlich der Einschlagwinkel der Räder festgelegt wird. Gleichzeitig vergrößert es durch eine Übersetzung in der Mechanik (manuelles Lenkgetriebe) oder eine hydraulische Unterstützung (Servolenkung) die vom Fahrer zum Lenken aufzubringende Handkraft.

Bei T4 ohne Servolenkung kommt ein Zahnstangen-Lenkgetriebe zum Einsatz. Bei diesem greift ein durch das Lenkrad betätigtes Ritzel in eine Zahnstange ein, die nach links/rechts bewegt wird. Das Funktionsprinzip des Servolenkgetriebes ist im Artikel Servolenkung beschrieben.

Einbauort[Bearbeiten]

Das Lenkgetriebe ist unabhängig von der Art immer mit 4 Schrauben auf dem Aggregateträger befestigt. Die Abmessungen der unterschiedlichen Lenkgetriebe (mit oder ohne Servounterstützung) und deren Befestigung sind sehr wahrscheinlich identisch, sodass ein Servolenkgetriebe zumindest mechanisch leicht nachgerüstet werden kann.

Einbauort (hier: Servolenkgetriebe)

Teilenummern[Bearbeiten]

Teilenummer Bezeichnung Preis (2011)
701 419 061 D ohne Servolenkung 497,67 Euro
701 422 061 B(X)* Servo, ohne Airbag 642,10 Euro
701 422 061 E(X)* Servo, Fahrzeuge mit Airbag 629,16 Euro
7D1 422 061 J(X) >FGST-Nr 70 Y 200 000 868,61 Euro
7D1 422 061 B >FGST-Nr 70 Y 200 000 881,62 Euro
7D1 422 061(X) >111 kW 629,16 Euro
7D1 422 061 A >111kW 881,62 Euro
  • Austauschteile werden durch ein zusätzliches "X" gekennzeichnet

Betrieb und Probleme[Bearbeiten]

Das Lenkgetriebe ist ein hoch belastetes Bauteil. Dem entsprechend muss mit nennenswertem Verschleiß gerechnet werden, der bei hohen Laufleistungen (in der Größenordnung von 200.000 km) zu Problemen führt, die einen Tausch des Lenkgetriebes erforderlich machen können.

Bei den Servolenkgetrieben äußert sich der Verschleiß in der Regel dadurch, dass Hydrauliköl durch die Abdichtungen der Lenkstangen am Getriebe verloren geht. Das austretende Öl sammelt sich meist über einen längeren Zeitraum im Faltenbalg am Lenkgetriebe, sodass man den Ölverlust zunächst nur am Hydraulikbehälter erkennen kann. Wird Ölverlust festgestellt, sollte man also den Faltenbalg abtasten, ob sich in ihm bereits Öl gesammelt hat.

Faltenbalg auf der Beifahrerseite (hier: Servolenkgetriebe)

Beim mechanischen Lenkgetriebe kann durch einen beschädigten Faltenbalg Dreck in das Lenkgetriebe eindringen, der dieses beschädigt.

Ausbau[Bearbeiten]

Nachfolgend wird der Ausbau des Servolenkgetriebes mit Bildern von einem 2001er T4 beschrieben. Diese Anleitung ist aber für alle Baujahre gültig. Bei einem mechanischen Lenkgetriebe entfallen natürlich die servospezifischen Arbeitsschritte.

Hinweise:

  • Die Anleitung orientiert sich nur grob an der Reparaturanleitung von VW. Einige Schritte, die gemäß dieser gefordert sind (z.B. Entspannen des Drehstabes, Ausbau des Abgasrohrs (Hosenrohr)) sind nicht zwingend erforderlich.
  • Bei korrektem Aus- und Wiedereinbau ist eine Spureinstellung theoretisch nicht erforderlich. Es empfiehlt sich jedoch trotzdem zumindest eine Kontrolle der Spureinstellung.
  • Aufgrund der Verbundarbeit empfiehlt sich der gleichzeitige Tausch der Spurstangen.
  • Bei Arbeiten an der Servolenkung ist große Sorgfalt und Sauberkeit gefordert. Daher
    • Verbindungsstellen und deren nähere Umgebung vor der Demontage gründlich reinigen. Dabei keine fasernden Lappen nutzen.
    • Demontierte Bauteile auf eine saubere Unterlage legen und abdecken.
    • Offene Schläuche mit einer Plastiktüte verschließen.
    • Neuteile erst kurz vor der Montage aus der Verpackung entnehmen.
    • Nicht mit Druckluft arbeiten, wenn die Anlage geöffnet ist.
  • Das Lenkgetriebe ist mit 4 Schrauben befestigt, die in einem Gummilager sitzen. Diese Gummilager sollten ersetzt werden.
  • Vor Lösen des Lenkgetriebes Lenkrad fixieren, um ev. Beschädigungen des Rückstellrings zu vermeiden.
  • Selbstsichernde Schrauben/Muttern grundsätzlich ersetzen (z.B. Mutter zur Befestigung der Lenkzwischenwelle).
  • Die Befestigungsschrauben des Lenkgetriebes sind ab Werk offensichtlich mit Schraubensicherungsmittel eingedreht.
  • Dichtungen ersetzen.
  • Die Servolenkung ist selbstentlüftend.

Werkzeuge:

  • Diverse Schraubenschlüssel/Einsätze für Sechskantschrauben/-muttern M8, M10, M12, M16 sowie ggf. baujahrabhängig Einsatz für Torx M10.
  • Drehmomentschlüssel für o.a. Einsätze bis 60 Nm.
  • Schraubensicherungsmittel
  • Auffangbehälter für das Hydrauliköl (ca. 1,1 Liter).
  • Reinigungsmittel und Lappen.

Arbeitsschritte:

  1. Fahrzeug aufbocken und Vorderräder abbauen.
  2. Motorwanne abbauen.
  3. Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb (Syncro) die Kardanwelle ausbauen.
  1. Hydrauliköl ablassen. Dazu den Hydraulikbehälter öffnen und die Hohlschraube (M16, 30 Nm) der Druckleitung an der Servopumpe lösen.
    Hohlschraube der Druckleitung lösen
  2. Druck- und Rücklaufleitung am Lenkgetriebe lösen und aus dem Lenkgetriebe ziehen; Anzugsmoment 30 Nm. Runddichtung (7M0 422 999, ca. 1,50 Euro) ersetzen. Achtung: es tritt Hydrauliköl aus.
    Demontierte Leitungen
  3. Auf beiden Seiten den Faltenbalg lösen sowie zur Seite schieben und die Spurstangen am Lenkgetriebe abschrauben; siehe Artikel Spurstange.
  4. Lenkgetriebe in Mittelstellung bringen und Lenkrad fixieren; z.B. durch Abziehen des Zündschlüssels.
  5. Alle Stabilisator-Befestigungen lösen. Dies entspricht nicht der VW-Reparaturanleitung, ermöglicht aber das Verdrehen des Stabilisators ohne Ausbau des Abgasrohrs. Das Verdrehen des Stabilisators ist erfoderlich, um das Lenkgetriebe nach hiten entnehmen zu können. Dazu
    1. Das Rad zum Entspannen des Stoßdämpfers unterstützen.
    2. Die Befestigungsschraube für Stoßdämpfer und Stabilisator herausdrehen (Sechskant M12, 100 Nm).
      Untere Befestigung des Stoßdämpfers
    3. Will oder muss man die Radabstützung wieder entnehmen, kann man einfach den Stoßdämpfer mit der Befestigungsschraube provisorisch befestigen.
      Provisorische Befestigung des Stoßdämpfers
    4. Befestigungsschelle lösen.
      Schelle Stabilisator vorne
  6. Alternativ nach VW-Reparaturanleitung:
    1. Abgasrohr ausbauen.
    2. Befestigungsschellen des Stabilisators lösen.
  7. Manschette am Kreuzgelenk nach oben schieben und dann die Befestigungsschraube (mit Mutter, M10, 30 Nm + 90 Grad) lösen.
    Kreuzgelenk
  8. 4 Befestigungsschrauben des Lenkgetriebes herausdrehen (Sechskant M10, 60 Nm, Schraubensicherungsmittel (?)).
    Befestigungsschrauben Lenkgetriebe
  9. Lenkgetriebe nach rechts verschieben, damit das Ritzel am Getriebe vom Kreuzgelenk abgezogen wird.
  10. Lenkgetriebe nach hinten entnehmen. Dazu zunächst die linke Seite nach hinten schwenken und das Lenkgetriebe sowie den Stabilisator nach Bedarf verdrehen bzw. positionieren.
  11. Gummilager (701 419 081 A, ca. 5 Euro) auspressen und ersetzen.
    Gummilager

Wiederherstellung:

  • O.a. Arbeitsschritte in umgekehrter Reihenfolge.
  • Auf die korrekten Anzugsmomente achten.
  • Hydrauliköl bis zur max-Markierung einfüllen; insgesamt ca. 1 bis 1,1 Liter. Motor anlassen, einige Minuten im Leerlauf laufen lassen und dabei Hydrauliköl nachfüllen. Dann mit mäßiger Drehgeschwindigkeit mehrfach bis fast zum Anschlag nach links und rechts lenken. Die Servolenkung entlüftet sich dabei. Ölstand nach der ersten längern Fahrt kontrollieren.
  • Spur prüfen.
  • Ggf. vorhandenes ESP prüfen / kalibrieren.