Flanschwelle

Aus T4-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flanschwelle mit Halter

Funktion[Bearbeiten]

Flanschwelle und Steckwelle (bei älteren Getrieben auch Abtriebswelle und Flansch) übertragen das Drehmoment aus dem Getriebeinneren (Ausgleichsgetriebe) zu den Antriebswellen. Dadurch, dass sie nur gesteckt sind, gleichen sie zudem die Abstandsänderungen zwischen Getriebe und Rädern beim Einfedern des Fahrzeuges aus.

Die nachfolgende Zeichnungen verdeutlichen das Funktionsprinzip.

Funktionsprinzip neue Getriebe
Funktionsprinzip alte Getriebe

Aufgrund der Einbaulage des Getriebes ist in Fahrtrichtung links nur eine kurze Flanschwelle verbaut. Rechts kommt - als Getriebeverlängerung zur rechten Antriebswelle - bei den neueren Getrieben (Schaltgetriebe 02G, Automatikgetriebe 01P) eine kurze Steckwelle und eine lange Flanschwelle zum Einsatz, die mit einen Lager am Motorblock abgestützt wird. Bei den älteren Getrieben (Schaltgetriebe 02B, Automatikgetriebe 098) ist dagegen eine Abtriebswelle in einem Lagergehäuse mit einem Flansch (Gelenkflansch) verbaut.
Die Flansch-, Steck- und Abtriebswellen sind nur in das Getriebe gesteckt und werden durch Sprengringe in Position gehalten.

Einbauort[Bearbeiten]

Die Wellen stecken im Getriebe und verbinden die Antriebswellen mit dem Getriebe. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Einbauorte für unterschiedliche Getriebe.

Wellen mit Lager rechts (02G)
Welle rechts eingebaut (02G)
Welle links eingebaut (02G)
Übersicht (02B)
Flansch mit Lagergehäuse rechts (02B)
Welle rechts eingebaut (02B)


Ausbau[Bearbeiten]

Flanschwelle links[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Der Ausbau erfolgt bei allen Getrieben auf sehr ähnliche Art und Weise.
  • Es wird Getriebeöl austreten. Daher vor Beginn der Arbeiten ggf. Öl ablassen.
  • Schrauben an der korrekten Stelle eindrehen, damit das Getriebehäuse nicht beschädigt wird. Es besitzt an der vorgeschriebenen Stellen (senkrecht zur Ölablassschraube) Verstärkungen.
  • Der Sprengring muss immer ersetzt werden.
  • Es empfiehlt sich den Wellendichtring (Simmerring) zu erneuern.


Werkzeug:

  • Schraubenschlüssel/Innenvielzahneinsatz mit erforderlicher Schlüsselweite für Schrauben M10 (02B-Getriebe)
  • VW 771 und VW 421 oder Bastellösung (siehe unten) zum Ausziehen (andere Getriebe)
  • Ggf. Schraubenzieher zum Hebeln und Spezialwerkzeug zum Eintreiben des Dichtrings
  • Ggf. Dichtfett (z.B. G 052 128 A1)


Arbeitsschritte:

  1. Gelenkwelle komplett ausbauen.
  2. Flanschwelle ausziehen:
    1. 02B-Getriebe:
      Schrauben senkrecht zur Ölablassschraube wechselseitig eindrehen, um die Flanschwelle auszudrücken.
      Mit Schrauben ausdrücken
      Achtung: werden die Schrauben nicht an der korrekten Stelle eingedreht, kann das Getriebegehäuse beschädigt werden. Ggf. daher die nachfolgende Methode (Schraubi) nutzen.

    2. Andere Getriebe:
      Mit Werkzeug VW 771 und VW 421 ausziehen.
      Alternativ die Methode von Schraubi nutzen, die er im T4Forum beschrieben hat. Dazu nutzt er ein Flacheisen und eine M10x40-Schraube. Schraube ansetzen wie im Bild und anziehen; die Flanschwelle wird jetzt gezogen bis der Sprengring im inneren Vielzahn sitzt.
      Methode Schraubi
      Danach lässt sich die Welle mit einem Schraubenzieher heraushebeln; es braucht ca. 15 mm, bis die Welle frei kommt.
      Methode Schraubi
  3. Darauf achten, dass der Sicherungsring (Sprengring) noch auf der Welle steckt, nachdem die Welle ausgedrückt ist.
    Sprengring
  4. Kontrolle der Welle auf Einlaufspuren. Wenn vorhanden, Welle und Wellendichtring ersetzen. Ansonsten:
  5. Ggf. den Wellendichtring ersetzen. Dazu:
    1. vorhandenen Dichtring mit Schraubenzieher aushebeln.
    2. neuen Dichtring getriebeabhängig mit VW 195 oder VW 3330 bis zum Anschlag eintreiben und dann Spalt zwischen Dicht- und Staublippe mit Dichtfett (z.B. G 052 128 A1) füllen.


Wiederherstellung:

  1. Sprengring ersetzen.
  2. Flanschwelle einstecken, sodass die Verzahnungen ineinander greifen. Dann die Welle mit ein paar Schlägen mit einem Hammer (Kunststoff) eintreiben.
  3. Ggf. wieder Getriebeöl einfüllen und Ölstand kontrollieren.


Flanschwelle rechts (02G- und 01P-Getriebe)[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Der Ausbau erfolgt bei allen Getrieben auf sehr ähnliche Art und Weise.
  • Es wird kein Getriebeöl austreten, wenn die Steckwelle noch gut abdichtet.
  • Der Sprengring muss immer ersetzt werden. Dieser ist aber ev. nicht bei allen Getrieben verbaut.
  • Rundschnurring (Dichtring) in Steckwelle ersetzen.


Werkzeug:

  • Schraubenschlüssel/Einsatz für Sechskantbundschraube M8
  • Drehmomentschlüssel für o.a. Einsatz bis 25 Nm
  • Ggf. Gelenkwellenfett (z.B. VW G 000 603)


Arbeitsschritte:

  1. Gelenkwelle komplett ausbauen
  2. 2 Befestigungsschrauben des Lagers (Sechskantbund M8, 25 Nm) herausdrehen
    Befestigungsschrauben
  3. Flanschwelle aus Steckwelle herausziehen.
  4. Darauf achten, dass der Sicherungsring (Sprengring), falls verbaut, noch auf der Welle steckt, nachdem die Welle herausgezogen wurde.
    Sprengring
  5. Rundschnurring (Dichtring) von Steckwelle nehmen.

Wiederherstellung:

  1. Sprengring und Rundschnurring (im Abdeckblech?) ersetzen.
  2. Verzahnung der Flanschwelle mit Gelenkewellenfett fetten und dann einstecken, sodass die Verzahnungen ineinander greifen. Dann die Welle mit ein paar Schlägen mit einem Hammer (Kunststoff) eintreiben.
  3. Lager wieder befestigen (Anzugsmoment: 25 Nm)).
  4. Ggf. Ölstand kontrollieren.


Steckwelle rechts (02G- und 01P-Getriebe)[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Der Ausbau erfolgt bei allen Getrieben auf sehr ähnliche Art und Weise. Getriebeabhängig benötigt man jedoch unterschiedliches Werkzeug
  • Es wird Getriebeöl austreten. Daher vor Beginn der Arbeiten ggf. Öl ablassen.
  • Der Sprengring muss immer ersetzt werden.
  • Es empfiehlt sich den Wellendichtring (Simmerring) zu erneuern.


Werkzeug:

  • Trennvorrichtung Kukko 17/0 oder ähnlich (alle Getriebe)
  • Trennvorrichtung Kukko 17/1 oder ähnlich (T4 bis 105 kW)
  • 2 Schrauben M10*80; Gewinde passend zur Trennvorrichtung
  • Abdrückschale VW 470 oder ähnlich (T4 ab 106 kW)
  • Ggf. Schraubenzieher zum Hebeln und Spezialwerkzeug zum Eintreiben des Dichtrings
  • Ggf. Dichtfett (z.B. G 052 128 A1)
  • Ggf. Gelenkwellenfett (z.B. VW G 000 603)


Arbeitsschritte:

  1. Flanschwelle rechts ausgebaut; siehe oben.
  2. Steckwelle abziehen:
    1. T4 bis 105 kW
      Trennvorrichtungen Kukko 17/0 und 17/1 wie in der Zeichnung ansetzen. 2 Schrauben (grüne Pfeile) gleichmäßig eindrehen und dabei die Steckwelle abziehen.
      Mit Schrauben ausdrücken
    2. T4 ab 106 kW
      Abdrückschale VW 470 und Trennvorrichtung Kukko 17/0 wie in der Zeichnung ansetzen. 2 Schrauben (grüne Pfeile) gleichmäßig eindrehen und dabei die Steckwelle abziehen.
      Mit Schrauben ausdrücken
  3. Darauf achten, dass der Sicherungsring (Sprengring) noch auf der Welle steckt, nachdem die Welle herausgezogen wurde.
    Sprengring
  4. Ggf. den Wellendichtring ersetzen. Dazu:
    1. vorhandenen Dichtring mit Schraubenzieher aushebeln.
    2. neuen Dichtring mit VW 2051 bis zum Anschlag eintreiben und dann Spalt zwischen Dicht- und Staublippe mit Dichtfett (z.B. G 052 128 A1) füllen.

Wiederherstellung:

  1. Sprengring ersetzen.
  2. Innenverzahnung der Steckwelle mit Gelenkewellenfett fetten und die Steckwelle einstecken, sodass die Verzahnungen ineinander greifen. Dann die Welle mit ein paar Schlägen mit einem Hammer (Kunststoff) eintreiben.
  3. Ggf. wieder Getriebeöl einfüllen und Ölstand kontrollieren.


Flanschwelle links (Syncro-Getriebe hinten)[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Die Anleitung wurde von RalphCC erstellt und bezieht sich auf den hinteren Achsantrieb DTZ mit Differentialsperre. Sie wurde leicht überarbeitet.
  • Der Ausbau erfolgt bei allen Hinterachsantrieben auf ähnliche Art und Weise.
  • Es wird Getriebeöl austreten. Daher vor Beginn der Arbeiten ggf. Öl ablassen.
  • Der Sprengring muss immer ersetzt werden.
  • Es empfiehlt sich den Wellendichtring (Simmerring) zu erneuern.
  • Beim Ausziehen der Flanschwelle beim Achsantrieb mit Differentialsperre mit Schrauben könnten sich diese durch den Blechkäfig des Wellendichtrings drücken


Werkzeug:

  • VW 391 zum Ausziehen der Flanschwelle alternativ, siehe Hinweise, 2 längere M8-Schrauben
  • VW 195 mit Treibhülse 40-21 zum Eintreiben des Wellendichtrings alternativ ein selbstgebautes Werkzeug aus DN-Rohr; siehe Arbeitsschritte
  • 30er Nuss zum Eintreiben des Verschlussdeckels
  • Zange für Sicherungsring
  • Schraubenzieher und anderes Werkzeug zum Ausbau des Wellendichtrings; siehe Arbeitsschritte
  • Ggf. Dichtfett (z.B. G 052 128 A1)


Teile:

  • 1x 02D 525 275 A - Wellendichtring links 72x114x10
  • 1x 020 311 381 F - Sicherungsring 25,8x2,5
  • 1x 020 409 289 B - Verschlussdeckel
  • 1x 02D 525 319 - Schutzkappe - theoretisch wiederverwendbar, kann aber spröde sein.
  • 1x 8D0 407 309 - Dichtscheibe Gelenkwelle
  • G 052 128 A1 - Dichtmittel für Radialwellendichtringe


Arbeitsschritte:

  1. Differentialsperre im Betrieb (Unterdruckbetätigung) oder von Hand an Schaltgabel/Gabelkopf einlegen und während der Arbeiten darauf achten, dass sie eingelegt bleibt. Dazu kann man u.a. den Unterdruckschlauch abklemmen. Sonst fällt einem später der Ring / die Sperre entgegen, welcher in nicht gesperrtem Zustand vollständig auf dem Flansch geschoben ist.
  2. Gelenkwelle achsantriebsseitig abgeflanscht und hochgebunden.
    Zustand ohne Antriebswelle, fettfrei
  3. Die Schutzkappe (der schwarze Plastering) vom Rand des Flansches entfernen/abhebeln. Dieser rastet in einer kleinen Nut. Evtl. besser diesen mitsamt Flansch abzuziehen und dann nach hinten zu demontieren.
    Schutzkappe entfernt
  4. Den Verschlußdeckel mit einem Schraubenzieher angestechen und heraushebeln - der Sicherungsring wird sichtbar. Sikcherungsring mit geeigneter Zange spreizen und herausnehmen.
    Verschlussdeckel
    Sicherungsring ausbauen
  5. Flansch abziehen.
    Einen klemmenden Flansch könnte man mit zwei längeren M8 Schrauben abdrücken - ging hier aber ganz leicht abzuziehen. Alternativ VW 391 nutzen; siehe Hinweise oben.
    Achtung: Differentialsperre vorher unbedingt betätigen!!!
    Flansch abziehen
    Flansch abziehen
  6. Den doch recht festsitzenden Wellendichtring habe ich mit einem Gabelschlüssel und einem Holzstückchen zum Schutz des Alurandes herausgehebelt/gehämmert. Alternativ VW 771 mit Haken 771/37 nutzen.
    Wellendichtring aushebeln
    Falls man noch Öl im Differential hatte, kommt einem nun ein Schwall entgegen. Evtl. vorher ablassen, wenn eh ein Komplettwechsel geplant ist.
  7. Jetzt liegt die Pracht vor einem - sieht erstaunlich unbenutzt aus. Gut zu sehen ist der Stellhebel mit dem Sperrenring. Im 2. Bild die Ersatzteile.
    Innenleben
    Ersatzteile
    Der Wellendichtring hat schon eine deutliche Spur in den Flansch geschliffen - sieht aber nur schlimm aus, ist kaum zu spüren.
    Flansch mit Laufspur


Wiederherstellung:

  1. Wellendichtring eintreiben.
    Hier habe ich mir wieder eine Einschlaghilfe aus dem Baumarkt besorgt - ist ein Verschlussdeckel für ein DN110-Rohr - sowie ein planes Reduzierstück von DN110 auf DN50(wurscht!) welche ich ineinandergesteckt habe. Damit hat man eine Auflagefläche auf der WD-Seite und eine Schlagseite. Immer schön im Dreiecktreiben - irgendwann sitzt der WD dann am Anschlag. Alternativ VW 195 mit Treibhülse 40-21 nutzen.
    Ersatzwerkzeug
    Ersatzwerkzeug
    Wellendichtring eintreiben
    Wellendichtring eingebaut
  2. Wellendichtring mit Dichtfett fetten.
    Der Wellendichtring war zwar schon sehr dünn mit dem blauen Fett ausgestattet - aber eben nicht nach Anweisung genug: "Der Raum zwischen Dicht- und Staublippe ist zur Hälfte zu füllen".
    Wellendichtring fetten
  3. Den gesäuberten Flansch dann leicht geölt wieder aufsetzen und hineinwackeln/-schieben - am anderen Flansch/Rad leicht drehen um auch den Sitz in den Sperrenring leichter zu finden. Den Sicherungsring wieder einsetzen.
    Flansch eingebaut
  4. Verschlussdeckel eintreiben.
    Den Verschlussdeckel habe ich mit einer 30er Nuß eingeschlagen, passte perfekt.
    Verschlussdeckel eintreiben
    Verschlussdeckel eintreiben
  5. Schutzkappe anbauen.
    Die neue Schutzkappe/-ring habe ich gut warm machen müssen, um den überhaupt wieder auf den Flanschrand ziehen zu können. Im kalten Zustand Bruchgefahr. Mit leichten Hammerschlägen gings dann aber. Vielleicht hätte man ihn schlauerweise auch vorher von hinten auf den Flansch schieben können und den Flansch dann erst montieren.
    Schutzkappe montieren
    Schutzkappe montieren
  6. Öl auffüllen nicht vergessen
    Schutzkappe montieren
  7. Diffentialsperre wieder ausschalten; dazu ggf. Schlauchklemme von Unterdruckleitung entfernen.
  8. Ggf. die Dichtung zwischen Flansch und Antriebswelle ersetzen.
  9. Ggf. Gelenkfett einbringen.
  10. Antriebswelle wieder anflanschen.


Teilenummern[Bearbeiten]

Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Wellen werden an dieser Stelle keine Teilenummern aufgeführt. Die Preise für die Wellen liegen bei VW zwischen 100 und 200 Euro.

Betrieb und Störungen[Bearbeiten]

Grundsätzlich sind die Steck-, Abtriebs- und Flanschwelle so langlebig wie das Getriebe selbst. Probleme treten zumeist nur dann auf, wenn bei Arbeiten in dem Bereich, z.B. an der Antriebswelle, Fehler gemacht werden und eine Welle aus dem Getriebe gezogen und dann nicht wieder korrekt eingesteckt wurde. Eher selten bereitet das rechte Lager bei den 02G- und 01P-Getrieben Probleme.

Sind die Wellen nicht korrekt eingesteckt, kann keine Drehmomentübertragung mehr zwischen Getriebe und Räder erfolgen. Der Bus fährt nicht mehr.

Die nachfolgenden Bilder von icegregor aus der VWBuswelt zeigen die Folgen eines Lagerdefektes bei einem 02G-Getriebe. Es hatte sich 'zerlegt' und die Flanschwelle konnte in der Folge nach rechts heraus rutschen. Dies führte dann zu einer abgeschliffenen Verzahnung an der Flanschwelle.

Defektes Lager rechts
Flanschwelle rausgerutscht
Beschädigte Verzahnung
Steckwelle intakt