Vorderradbremse (Lucas C54)

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Einleitung[Bearbeiten]

Die Faustsattelbremse LUCAS C54 ist seit Einführung des T4 praktisch unverändert in leichteren bzw. langsameren T4 verbaut. Sie wurde im Wesentlichen vom Vorgängermodell T3 übernommen. Im Gegensatz zu den anderen Vorderradbremsen kommt bei der LUCAS C54 eine massive, nicht innenbelüftete Bremsscheibe zum Einsatz. Siehe auch Technische Daten.

Ob eine LUCAS C54 verbaut ist, ist an der Ausstattungsnummer (PR-Nummer) 1LP im Fahrzeugdatenträger und natürlich an der massiven, 18mm dicken Bremsscheibe erkennbar. Die 14" Bremse mit der Ausstattungsnummer 1LA ist nahezu baugleich. Die Anleitung zum wechseln kann somit auf eigene Gefahr auch für diesen Bremstyp verwendet werde.


Beschreibung[Bearbeiten]

Zählt man die Schrauben und Beläge nicht mit, so besteht die komplette Vorderradbremse nur aus einer guten Handvoll Bauteilen. Der Bremskolben ist in den Bremssattel integriert.

Der Bremsträger ist mit 2 Sechskantschrauben (M16x1,5x48, 280 Nm) am Radlagergehäuse befestigt. Die Bremsscheibe ist mit einer Innensechskantschraube (M10x25x15, 10 Nm) an der Radnabe befestigt.


Funktionsweise[Bearbeiten]

Der Bremssattel mit dem integrierten Bremskolben ist 'schwimmend', also in Grenzen frei verschiebbar über die Führungsbolzen mit dem feststehenden Bremsträger verbunden. Die Bremsbeläge sind in den Bremsträger eingelegt; ebenfalls frei beweglich.

Wird Bremsdruck aufgebaut, drückt der Kolben zunächst den inneren Bremsbelag gegen die Bremsscheibe. Aufgrund der Krafteinwirkung auf die Bremsscheibe wird der Bremssattel nun entlang der Führungsbolzen nach innen (Richtung Fahrzeugmitte) verschoben, wodurch er nun auch den äußeren Belag gegen die Bremsscheibe presst. Durch die 'schwimmende Aufhängung' des Bremssattels wird also sichergestellt, dass die Bremsscheibe von beiden Bremsbelägen gleichzeitig eingeklemmt wird, obwohl nur ein Bremskolben zum Einsatz kommt.

Nach Abbau des Bremsdrucks erfolgt die Rückstellung des Kolbens durch den elastischen Kolbendichtring, der den Kolben im Bremssattel wieder etwas in Richtung Fahrzeugmitte zieht.

Dies alles kann aber nur dann einwandfrei funktionieren, wenn sich Bremssattel, Bremskolben und Bremsbeläge leicht bewegen lassen. Bei der Wartung der Bremse und beim Bremsbelag-/-scheibenwechsel ist daher die gute Beweglichkeit durch Reinigung und Schmieren der Berührungsflächen der beweglichen Teile sicher zu stellen.


Wechsel von Bremsbelag und Bremsscheibe[Bearbeiten]

Hinweise[Bearbeiten]

  • Arbeiten an der Bremsanlage sollte nur der durchführen, der die erforderlichen Fachkenntnisse besitzt. Und diese Beschreibung kann diese Fachkenntnisse nicht ersetzen!
  • Wer sich trotzdem nur mit dieser Anleitung an die Arbeit macht, sollte stets im Hinterkopf behalten, dass von der korrekten Funktion der Bremse Menschenleben abhängen können.
  • Für die Korrektheit der nachfolgenden Beschreibung kann natürlich keinerlei Garantie, Haftung etc. übernommen werden. Jeder führt die Arbeiten dem entsprechend auf eigenes Risiko durch.
  • Grundsätzlich sollten immer die Beläge auf beiden Seiten gleichzeitig gewechselt werden. Gleiches gilt für die Bremsscheiben.
  • Ein Entlüften der Bremsanlage ist nach einem Belag-/Scheibenwechsel nicht erforderlich.


Werkzeug[Bearbeiten]

  • Radschraubenschlüssel (SW19)
  • Drehmomentschlüssel mit Einsatz SW13 für Anzugsmoment 35 Nm
  • Drehmomentschlüssel mit Einsatz SW19 für Anzugsmoment bis 180 Nm
  • Drehmomentschlüssel mit Einsatz SW21 für Anzugsmoment bi 280 Nm
  • Inbusschlüssel 6mm
  • Schraubenschlüssel oder Nuss SW13, SW17, SW21
  • Absaugvorrichtung und Behälter für Bremsflüssigkeit
  • Drahtbürste, Feile und/oder Schmiergelpapier
  • Lappen
  • Rostlöser
  • Schmiermittel zum Einfetten (z.B. Kupfer- oder Keramikpaste)


Arbeitsschritte[Bearbeiten]

Räder abmontieren[Bearbeiten]

Siehe Räder abmontieren.


Bremsflüssigkeitsbehälter sichern[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Beim Zurücksetzen des Bremskolbens kann Bremsflüssigkeit aus dem Behälter austreten und Schäden verursachen.

Arbeitsschritte:

  1. Bremsflüssigkeitsbehälter öffnen.
  2. Etwas Bremsflüssigkeit absaugen oder zumindest einen Lappen um den Behälter legen, um austretende Bremsflüssigkeit aufzufangen.
    Bremsanlage Wechsel Bremsfluessigkeitsbehaelter.jpg

Wiederherstellung:

  1. Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren; muss zwischen min.- und max.-Markierung sein.
  2. Bremsflüssigkeitsbehälter verschließen.


Bremssattel abbauen[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Grundsätzlich ist es ausreichend, nur die untere Befestigungsschraube des Bremssattels herauszudrehen, damit man den Bremssattel zur Entnahme der Bremsbeläge nach oben wegdrehen kann. Sinnvoller ist es jedoch den Bremssattel komplett abzubauen, damit man die Bremse richtig reinigen kann.
  • Bremssattel gut gesichert so ablegen, dass kein Zug auf den Bremsschlauch ausgeübt wird.
  • Selbstsicherende Schrauben immer ersetzen (hier: 4 Sechskantschrauben M8x21, Teilenummer VW 321 615 141, im VW-Reparatursatz enthalten).
  • Ggf. ist es sinnvoll, bereits an dieser Stelle den Bremskolben zurück zu setzen. Dazu kann man eine Wasserpumpenzange nutzen, die man zwischen innerem Bremsbelag und einer Kante im Bremssattelgehäuse ansetzt.
    Zurücksetzen des Bremskolbens

Arbeitsschritte:

  1. Obere und untere Befestigungsschrauben (Sechskant M8x21, SW13, 35 Nm, selbstsichernd) des Bremssattels lösen und heraus drehen. Dabei unbedingt mit einem Schraubenschlüssel am Führungsbolzen gegenhalten.
    Lösen der Befestigungsschrauben des Bremssattels
  2. Bremssattel nach vorne abnehmen und mit einer Schnur z.B. am oberen Traggelenk gesichert ablegen. Auf keinen Fall einfach nur am Bremsschlauch hängen lassen!
    Abgebauter Bremssattel

Wiederherstellung:

  1. Führungsbolzen ganz in den Bremsträger schieben.
  2. Bremskolben mit Rücksetzvorrichtung oder Zange zurück setzen. Wird eine Zange genutzt, darauf achten, dass der Kolben nicht beschädigt und nicht verkantet wird. Daher am besten ein Stück Holz o.ä. ganzflächig zwischen Kolben und Zange legen.
  3. Bremssattel aufsetzen und mit 2 Sechskantschrauben befestigen; Anzugsmoment 35 Nm.
  4. Prüfen, dass sich sowohl Bremsbeläge als auch Bremssattel leicht bewegen lassen.


Bremsbeläge entnehmen[Bearbeiten]

Arbeitsschritte:

  1. Falls vorhanden, Stecker für Bremsbelagverschleißanzeige abziehen und Verlegeweg des Kabels markieren/merken.
  2. Bremsbeläge nach vorne heraus nehmen.
    Entnahme der Bremsbeläge

Wiederherstellung:

  1. Bremsbeläge nach Fetten der Auflageflächen gerade einsetzen.
  2. Falls vorhanden, Stecker für Bremsbelagverschleißanzeige wieder verbinden und spannungsfreien Sitz des Kabels prüfen.
  3. Prüfen, dass sich die Bremsbeläge im Bremsträger parallel zur Bremsscheibe leicht bewegen lassen.


Bremsscheibe prüfen und ggf. ausbauen[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Grundsätzlich ist ein Ausbau nicht erforderlich, wenn nicht auch die Bremsscheibe gewechselt werden soll. Der Ausbau könnte jedoch auch bei einem Belagwechsel sinnvoll sein, damit man die Bremse richtig reinigen kann.
  • Bremsscheiben grundsätzlich immer achsweise ersetzen.
  • Darauf achten, dass weder Rostlöser noch Schmiermittel etc. an die Bremsflächen der Bremsscheiben gelangen.
  • Bremsscheiben nicht mit roher Gewalt von der Radnabe trennen, um Schäden an der Bremsscheibe zu vermeiden. Ggf. Rostlöser anwenden.


Arbeitsschritte:

  1. Bremsscheibe prüfen.
    Sie sollte eine Restdicke deutlich oberhalb der Verschleissgrenze (15mm) haben und darf keine Einlaufspuren sowie Beschädigungen aufweisen.
  2. Ggf. Befestigungsschraube für die Bremsscheibe mit Rostlöser behandeln und einwirken lassen.
  3. 2 Schrauben (M16x1,5x48, SW21, 280 Nm) zur Befestigung des Bremsträgers herausschrauben und den Bremsträger mit Führungsbolzen abnehmen.
    Befestigung des Bremsträgers
  4. Innensechskantschraube (M10x25x15, 6mm, 10 Nm) für die Befestigung der Bremsscheibe herausdrehen. Dabei die Bremsscheibe festhalten. (Tipp Thomas: "Ist der Sechskant rund: 8er Vielzahn reinkloppen" ;-).)
  5. Bremsscheibe abnehmen.

Es ergibt sich folgendes Bild, auf dem man nun auch das Abdeckblech (gelbe Pfeile) erkennen kann:

Bremse ohne Sattel und Scheibe


Wiederherstellung:

  1. Innensechskantschraube und Auflageflächen Radnabe-Bremsscheibe gründlich reinigen.
  2. Wird die alte Bremsscheibe weitergenutzt, Rost und ggf. Grat am Umfang mechanisch beseitigen. Keinen Rostlöser nutzen!
  3. Bremsscheibe aufsetzen und mit Innensechskantschraube befestigen. Anzugsmoment: 10 Nm.
  4. Bremsträger aufsetzen und mit beiden Schrauben am Radlagergehäuse befestigen; Anzugsmoment 280 Nm.


Reinigen und Fetten[Bearbeiten]

Hinweise:

  • Da die Bremse nur dann problemlos und ohne unnötigen Verschleiß arbeitet, wenn sich die beweglichen Teile leicht bewegen lassen (siehe Funktionsweise), darf man die nachfolgenden Schritte auf keinen Fall auslassen und muss sie zudem sorgfältig durchführen.
  • Darauf achten, dass keine Schmiermittel, Fette etc. auf die neuen Beläge und Scheiben gelangen.
  • Grundsätzlich nur hitzebeständige Kupferpaste, Keramikpaste bzw. von VW freigegebene Schmiermittel (z.B. Lithium-Schmierfett VW G 052 150 A2 oder Festschmierstoffpaste VW G 000 650) verwenden.
  • Bei der Behandlung von Aluminiumteilen (z.B. Bremssattel aus einer Aluminiumlegierung) mit einer kupferhaltigen, leitfähigen Paste soll es zu nachteiligen elektrochemischen Reaktionen kommen können, durch die diese Teile möglicherweise angegriffen werden.


Arbeitsschritte:

  1. Radnabe einschließlich Mittenzentrierung gründlich reinigen. Mittenzentrierung dünn einfetten.
    Fetten der Mittenzentrierung
  2. Die Auflageflächen für die äußeren Beläge am Bremssattel mit Drahtbürste und Feile gründlich reinigen und dünn einfetten.
    Fetten der Auflageflächen am Bremssattel
  3. Die Auflagefläche am Bremskolben gründlich reinigen und dünn einfetten.
    Fetten der Auflagefläche am Bremskolben (Bild zeigt anderes Bremsenmodell)
  4. Die Auflageflächen für die Bremsbeläge am Bremsträger mit Drahtbürste und Feile gründlich reinigen und dünn einfetten.
    Fetten der Auflageflächen am Bremsträger
  5. Zustand der Schutzkappen (auch Schutzhüllen genannt) der Führungsbolzen prüfen und ggf. ersetzen. Führungsbolzen auf Leichtgängigkeit prüfen und ggf. reinigen sowie dünn einfetten. Zum Einfetten die Schutzkappe zurückschieben und wieder sorgfältig aufziehen.
    Fetten der Führungsbolzen
  6. Berührungsflächen der Beläge dünn einfetten.
    Fetten der Berührungsflächender Beläge (Bild zeigt anderes Bremsenmodell)


Abschließende Arbeiten[Bearbeiten]

  1. Das Bremspedal einige Male mit kurzen Hüben betätigen, damit Kolben und Beläge wieder ihre Arbeitsposition einnehmen. Aber auf keinen Fall das Bremspedal (mehrmals) ganz durchtreten, weil dadurch der Hauptbremszylinder beschädigt werden kann.
  2. Erneut den Bremsflüssigkeitsstand prüfen.