Geschwindigkeitsregelanlage (Waeco)

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Bei Fahrzeugen ohne E-Gas-Funktion ist die Nachrüstung eines weiteren (automatischen ) "Drosselklappenstellers" notwendig, da die Drosselklappe ohne Tempomat über den am Gaspedal eingehängten Gaszug betätigt wird. Dieser Artikel beschreibt die nachrüstung der Geschwindigkeitsregelanlage (GRA, auch Tempomat) der Firma WAECO. WAECO-Tempomaten eignen sich bis zum Model MS 700 für die Nachrüstung in T4s ohne E-Gas-Funktion, da diese über einen Steller verfügen.

Unterschiede der WAECO- Tempomaten[Bearbeiten]

Modell Betätigung Geschwindigkeitssignal Bedienelement Verkabelung DK-Steller
MS 50 Unterdruck Magnet/Hall enthalten universal ja
MS 400 Unterdruck vom Fahrzeug nicht enthalten universal ja
MS 700 Elektroservo vom Fahrzeug nicht enthalten universal ja
MS 880 Elektroservo vom Fahrzeug nicht enthalten universal oder via CAN nein (nur E-Gas)
MS 900 Elektroservo vom Fahrzeug nicht enthalten via CAN nein (nur E-Gas)


Funktionsprinzip[Bearbeiten]

(Siehe auch Grundprinzip der GRA)
Wie bei anderen Tempomaten wird die Fahrzeuggeschwindigkeit erfasst und mit der Sollgeschwindigkeit verglichen und dann korrigiert: durch "Gasgeben" oder "Gaswegnehmen" (mehr oder weniger Drosselklappenwinkel). Dies geschieht durch einen zusätzlichen Bowdenzug zur Drosselklappenbetätigung. Dieser Bowdenzug wird durch einen Eletromotor oder eine Unterdruckdosen betätigt. Im Gegensatz zur VW-eignen GRA für Motoren ohne E-Gas nutzt das WAECO-System den Unterdruck im Saugrohr nach der Drosselklappe.

Unterdruckbetätigung[Bearbeiten]

Die Unterdruckbetätigung der Drosselklappe hat den Nachteil, dass die Drosselklappe mit dieser Art der Betätigung nur bis zu einem bestimmten Winkel geöffnet werden kann. Der Tempomat kann also kein "Vollgas" fahren, was inbesondere bei Anhängerbetrieb bei den meist ohnehin schon schwachen Benzinmotoren zu einer Absenkung der Reisegeschwindigkeit (Sollgeschwindigkeit) z.b. an leichten Anstiegen führt, obwohl der Motor noch die Leistung abgeben könnte, um die Fahrsituation mit der eingestellen Geschwindigkeit zu meistern. Der Grund dafür ist, dass der Unterdruck nach Drosselklappe beim Öffnen der DK abnimmt. (Unterdruck nimmt ab = Druck nimmt zu). Somit sind Gasgeben (Öffnen der DK) und Unterdruck nach der Drosselklappe einander entgegen gerichtet.
Fährt man z.B. mit aktivem Tempomenten mit einem T4 mit voll beladenem Anhänger mit 80 km/h auf der Autobahn in der Ebene:

  • Drosselklappe (wenig) geöffnet -> "viel Unterdruck" nach der DK
  • Unterdruck nach der DK ist stark genug, um die DK im nötigen Winkel zu öffnen

Verläuft die Strasse nun bergan:

  • Auto wird langsamer
  • GRA fordert "mehr Gas"
  • DK öffnet sich
  • -> Unterdruck hinter der DK nimmt ab

Wird es steiler:

  • GRA fordert "noch mehr Gas"
  • DK öffnet sich weiter
  • -> Unterdruck hinter der DK nimmt stark ab
  • -> die Kraft die der Unterdrucksteller benötigen würde, um die Drosselklappe noch weiter zu öffnen, wäre höher als mit dem jetzt noch im Saugrohr zur Verfügung stehenden Unterdruck realisierbar ist.
  • die Reisegeschwindikeit sinkt.


Einbau[Bearbeiten]

Dieses Kapitel beschreibt die Nachrüstung einer Geschwindigkeitsregelanlage aus dem Zubehör am Beispiel der WAECO Magic Speed MS50 für T4 ohne E-Gas. Beim Motor handelt es sich um einen Benzinmotor.
Texte und Bilder wurden dankenswerterweise von Thomas L. zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder zeigen eine Einbauversion von Frank1604.

Hinweis zum Umfang der Beschreibung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den späteren T4 mit E-Gas ist eine Tempomatnachrüstung bei Modellen mit Gaszug eine etwas aufwändigere Geschichte. Hier wurde eine Waeco Magic Speed MS50 verbaut. Da die Anleitung zur MS50 ausführlich und leicht verständlich ist, werden hier nur die groben Schritte aufgezeigt.

Die Bedienungs- und Einbauanleitung ist auf der Waeco-Webseite erhältlich; siehe Weblinks.

Teile[Bearbeiten]

Das Set besteht im Wesentlichen aus:

  • Vakuumservo
  • Steuergerät (Normalerweise gibt es an diesem Gerät außen eine Kabelschleife, die unter bestimmten Bedingungen durchtrennt werden muss. Da dies wirklich keine Lösung ist, wurde sie durch einen Schalter ersetzt.)
  • Bedienteil
  • Kupplungsschalter mit Magnet
Vakuumservo
Steuergerät
Bedienteil
Kupplungsschalter mit Magnet


Und außerdem natürlich noch jede Menge Kleinteile, dem Kabelbaum, Anleitung, ABE und den Teilen für die Geschwindigkeitsmessung.
Das Bild von Frank1604 zeigt die Teile im Überblick:

Set


Geschwindigkeitssignal[Bearbeiten]

Da ich die original vorgesehene Geschwindigkeitsmessung, alles andere als elegant finde, musste eine andere Lösung gefunden werden. Bei der Originallösung werden Magnete an der Antriebswelle angebracht und mit einem an der Karosserie verschraubten Hallgeber abgetastet.
Hier gibt es speziell beim T4 zwei recht einfache Lösungen.

  1. Es gibt Geschwindigkeitsgeber, die direkt in die Tachowelle eingeschraubt werden können. Dies geschieht direkt vor der Spritzwand an der original Trennstelle.
  2. Am Kombiinstrument kann ein Hallgeber nachgerüstet werden. Dieser wird bei manchen Modellen serienmäßig für die Geschwindigkeitsabhängige Lautstärkenachregelung oder den original Tempomat verwendet.


Hinweis:
Bei T4 ab MJ1996, die ja einen elektronischen Tacho besitzen, entfällt die Nachrüstung eines Gebers. Das Geschwindigkeitssignal liegt bereits am Tacho und der Zentralelektrik an; siehe Artikel Kombiinstrument

Geber[Bearbeiten]

Da ein Geber für die 2., elegantere, Lösung vorhanden war, wurde dieser verwendet:

Hallgeber mit Kontaktbrücke

Hallgeber für das Kombiinstrument mit der Kontaktbrücke:


Da der Hallgeber ein Open Kollektor-Schalter ist, muss er noch etwas modifiziert werden. Ein 10 kOhm 1/4 Watt Widerstand wird wie dargestellt eingelötet.

Hallgeber mit Widerstand


Frank1604 nutzt einen VDO-Geber für die Tachowelle, den er zum Anschluss der kabel leicht modifiziert hat:

VDO-Geber

Der Stecker muss abgeschnitten und die Kabel wie folgt verbunden werden:

  • Braun - Masse
  • Schwarz - abgesichertes Plus
  • Blau/Rot - Impulsleitung für den Tempomaten.

Dann muss noch ein 10KOhm Widerstand zwischen Plus (Schwarz) und Impuls (Blau/Rot) gelötet werden, um das Signal für den Tempomaten aufzubereiten.

Modifikation des Kombiinstruments[Bearbeiten]

  1. Abdeckung an der Tachowellenaufnahme herausbrechen.
    KI mit ausgebrochener Abdeckung
    Im Bild ist eine zusätzliche Leitung für die Anhängerkontrolleuchte zu sehen, falls sich jemand wundert.
  2. Hallgeber einschrauben.
    Eingeschraubter Hallgeber
  3. Kontaktbrücke aufsetzen.
    Aufgeschraubter Kontaktgeber
    Diese versorgt den Geber mit der Versorgungsspannung und schleift das Ausgangssignal direkt durch zum Pin 7 am Zentralstecker. Die mir bekannten KIs haben intern keine Aufbereitung oder Verarbeitung dieses Signals.
    Mit dieser Modifikation steht jetzt das Geschwindigkeitssignal an Pin 7 des KI-Steckers bereit. Leider ist dieser Pin aber wahrscheinlich nicht belegt, also muss ein zusätzliches Kabel eingebaut werden. Hierzu wird die VAG Einzelleitung 000 979 002 (€ 1,50) verwendet.
  4. Steckergehäuse nach dem Auftrennen des Kabelbinders nach rechts vorschieben, um die Leitung einzustecken.
    KI-Stecker
  5. Leitung an Pin 7 einstecken.
    Einstecken der Leitung
    Komplett montierter KI Stecker


An die neue Leitung wird nach ca. 10cm eine Rundsteckbuchse gequetscht, an die später die abgeschirmte Leitung des WAECO-Kabelsatzes angeschlossen wird. 10cm reichen, um später bequem vom Sicherungskasten aus bei eingebautem KI an die Buchse zu kommen.

Arbeiten im Motorraum[Bearbeiten]

  1. Montage des Servos hinter dem Kühlwasserausgleichsbehälter. Hier sind bereits Bohrungen im Träger. Also kann relativ einfach eine Trägerplatte montiert werden. Der Gaszug geht dann vor dem Bremskraftverstärker in weitem Bogen zur Drosselklappe.
    Montage des Servos
  2. Anzapfen des Unterdrucks hinter dem Rückschlagventil am Schlauch zum Benzindruckregler.
    Unterdruck-Anzapfung
  3. Bowdenzug des Tempomaten einbauen.
    Originale Gaszugklemmplatte
    Die originale Gaszugklemmplatte ist nicht wirklich für die unterschiedlichen Durchmesser von Gaszug und Tempomatzug geeignet. Der Abstand zwischen den Zügen ist sehr groß, was einen unnötigen „Schiefzug“ des Tempomats bewirkt. Nach ersten Versuchen wurde eine eigene Klemmplatte angefertigt.
    Wichtig ist, dass der Spleißschutz sorgfältig auf dem Gaszug montiert wird, damit der Klemmblock diesen nicht beschädigt.
    Spleißschutz
    Mittels der neuen Klemmung beträgt der Abstand zwischen den Zügen nur noch die Hälfte und auch die Bohrungsdurchmesser konnten passend gewählt werden. Entsprechend fällt der „Schiefzug“ wesentlich geringer aus.
    Verringerter Schiefzug
  4. Kabel in den Innenraum führen.
    Kabelführung
    Der Motorraumkabelbaum ist mit Sperrflex-Schlauch gefasst und an einer freien Schottdurchführung in den Innenraum gelegt.
    Im Bild ist zudem die Trennstelle an der Tachowelle zu sehen, an der der zusätzliche Geber eingefügt werden könnte.


Arbeiten im Innenraum[Bearbeiten]

  1. Anbringen des Bedienteils mittels Doppelklebeband. Leider ist es weder besonders schön, noch von der Form her wirklich gut zu integrieren. Spätziel ist es deshalb, möglichst den original T4-Lenkstockschalter mit Tempomattasten nachzurüsten.
    Bedienteil anbringen
  2. Das Steuergerät wird mittels Doppelklebeband angebracht, dass aber praktisch nur als Wärmeisolierung / Abstand zum Luftverteilerkasten im Fußraum dient. Den eigentlichen Halt geben 2 Blechschrauben. Der Ort ist recht gut geeignet, da er einerseits leicht zugänglich und andererseits weit von jeder Störquelle entfernt ist.
    Steuergerät einbauen
  3. Kupplungsschalter anbringen; ein Reedkontakt und ein Magnet. Beide werden angeklebt und / oder mit Kabelbindern befestigt. Für erste Test sicher durchaus geeignet, aber keine tolle Lösung. Fernziel: Montage eines geeigneten Schalters in der vorhandenen Bohrung.
    Kupplungsschalter einbauen


Nachfolgend ein Bild der Anordnung von Frank1604. Rechts im Bild ist der Geber für die Tachowelle zu sehen.

Anordnung im Motorraum



Fahrerprobung[Bearbeiten]

Bei den ersten Probefahrten wurde folgende Einstellung als gut gefunden:

  • Die Drahtbrücke / jetzt der Schalter in Stellung AUF.
  • Der Empfindlichkeitsschalter steht auf Stellung Medium.


Damit ist eine, für eine Nachrüstlösung, sehr akzeptable Leistung zu erreichen. Sie liegt zwar etwas unter der eines typischen Originaltempomaten, aber wirklich nur ein kleines Bisschen. Beim Aktivieren ist es sinnvoll, sehr langsam vom Gas zu gehen, damit der Servo sauber übernehmen kann, ohne dass die Geschwindigkeit nennenswert einbricht. Dies ist einfach dadurch bedingt, dass der Vakuumservo seinen Zug erst einmal in die aktuelle Gaspedalstellung bringen muss. Da er dabei aber auch nicht überschwingen sollte, dauert dies naturgemäß ein paar zehntel Sekunden. Nach ein paar Kilometern Eingewöhnung fällt das praktisch nicht mehr auf. Die Sicherheitsabschaltungen und sonstigen Funktionen sind identisch mit den Herstellerlösungen und funktionieren prima.

Haltbarkeit[Bearbeiten]

Da dieser Tempomat bereits im 3. Fahrzeug verbaut wird kann hier auch schon etwas zur Qualität gesagt werden. Alle Teile machen immer noch einen sehr guten Eindruck. Korrosionsspuren oder ähnliche Abnutzungserscheinungen sind keine zu erkennen. Alle Stecker, Schläuche, Stutzen und ähnliches sind in prima Zustand. Alles funktionierte auf Anhieb.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Ein wirklich prima Gerät mit beachtlicher Leistung, das mit vertretbarem Aufwand nachgerüstet werden kann.


Weblinks[Bearbeiten]